Marc Andeya-Trefny: 'Schwarzweiß - Wo bleiben die Zwischentöne?'

zu D. Shostakovitch: Klaviertrio Nr.2, e-moll

Kindergesicht: Öl auf Karton, Hintergrund: Acryl, Öl, Sand, Plakate auf Holz

80 x 100 cm

 

SCHWARZWEISS – WO BLEIBEN DIE ZWISCHENTÖNE?

Zum Coronaimpfstreit (Dezember 2021)

 

Dem einen ist sie Teufelsfluch,

erdacht, um Völker zu vernichten -

Highlight der Erfolgsgeschichten

aus dem Weltverschwörungsbuch.

 

Der andere sieht nichts als sie:

der hehren Weisheit letzten Schluss,

Gewissenspflicht, ein Soll, ein Muss,

ein Sinnbild reinster Ideologie.

 

Die Impfung rettet, triggert, trennt,

stärkt Zuversicht und Pessimisten,

drängt die Zweifler aufzurüsten,

schürt die Hitze, bis es brennt.

 

Hier setzt man Grips auf Nulldiät

mit Opfermythen, Hass und Wut.

Aus Angst weckt man die rechte Brut,

die stets nur neue Ängste sät.

 

Man demonstriert mit strammen Braunen,

ohne sich dafür zu schämen.

Doch man scheint sich tief zu grämen,

wenn selbst Freunde sprachlos staunen.

 

Dort träumt man vom Pieksezwang

und witzelt über fremde Traumen.

Andersdenker anzupflaumen

gilt als gottgerechter Drang.

 

Dort macht man keine Unterschiede

zwischen Angst und Idiotie,

Verzweiflung, Frust und Anarchie.

Auch dort wirkt Liebe höchst frigide.

 

Wo ist Dunkel? Wo ist Licht?

Ich weiß es nicht. Ich rate bloß.

Die Chance ist wohl nicht sehr groß,

dass man mal alles ruhig bespricht.

 

Und darum fällt mir nichts mehr ein.

Der Bruderkrieg nimmt seinen Lauf.

Die Impfpflicht stößt mir bitter auf,

doch bin ich froh geimpft zu sein

 

© Marc Andeya-Trefny