Marc Andeya-Trefny: 'Quo Vadis?' oder 'Im Spätherbst der Demokratie'

zu Konstantin Wecker: 'Weltenbrand'

Buntstifte, Rötelstifte, Pastell, Sand, Knetmasse, Gold

HYMNE DER ANSTÄNDIGEN

UNTER DEM EINFLUSS EINES WAHRHEITSSERUMS

 

Wir sind die selbsternannten Richter,

kacken Paragrafen,

wir fordern täglich härt’re Strafen.

Unsre Vorurteile

ändern ständig die Gesichter,

bloß aus Langeweile.

 

Wir kommandiern zu unsrem Zweck

Millionen Idioten.

Die leben fügsam von Verboten,

Angst- und Hassobjekten,

schlucken dankbar unsren Dreck

wie hungrige Insekten.

 

Wir geh’n auf ausgetret’nen Wegen,

planen jeden Zug.

Spontanes Tun ist Selbstbetrug,

das Chaos unser Feind!

Wer Ordnung schätzt, verdient zu leben,

nicht, wer sie verneint.

 

Als Rückhalt dient uns Religion

wie vordem unsren Vätern,

denn sie alleine macht aus Tätern

Opfer, Gotteskrieger,

Wahrer heil’ger Tradition

und gottgerechte Sieger.

 

Uns steckt die Wahrheit im Gebein

wie anderen das Mark.

Der Hass auf Neues macht uns stark

und hart und selbstbewusst.

Statt eines Herzens füllt der Stein

der Weisen unsre Brust.

 

 

© Marc Andeya-Trefny