Marc Andeya-Trefny: 'Hinter den Kulissen'

zu Gustav Mahler: 5. Symphonie, 3. Satz Adagietto

Öl auf Leinwand

AN DIE URMUTTER

 

In deinem Liebesblick erlischt die Zeit,

erlöst sich selbst vom Fluch der Messbarkeit.

Noch gestern war sie leeres Werden und Vergehen.

Ihr Rhythmus glich dem Taumel einer Waage.

Doch nun versiegt die Zukunft voller Anmut im erlosch'nen Tage

und stirbt, mit ihm beglückt vereint, zuletzt

im Jetzt,

um dort, im Niemandsland, aufs Neue zu entstehen.

 

Zu deinen Füßen ruhen Worte und Gedanken,

befreit von allen rationalen Schranken,

und vage Phantasien erblüh'n zu Wirklichkeiten.

Du hast uns Hoffnungen ins Herz gesät.

Als Ahnungen verliehst du ihnen Kraft und Kontinuität.

Jetzt reifen sie durch deiner Liebe Klarheit

zur Wahrheit

und leuchten sich den Weg durch ungebor'ne Zeiten.

 

In meiner Seele, Mutter, fließt dein Sehnen,

pulsiert in unermesslich sanften Tönen,

und wogt der Welt als Meer von Zärtlichkeit entgegen.

Dem Feuer gleich will es sich weiterschenken,

die kalte Sinnennacht mit neuer Glut und neuem Licht bedenken.

Dank seiner Macht empfing mein starrer Wille

die Stille,

das Ödland meiner Liebe seinen ersten Regen.”

 

© Marc Andeya-Trefny