Horizons - Evening

zu Beethovens Klaviertrio op.11, Adagio

Öl und Sand auf Leinwand

60 x 60 cm

 

NÄCHTLICHE REISE

Für Christina

 

Mein Liebling, es ist Zeit zu fliegen.

Komm mit ins Himmelreich der Nacht!

Im Sichelmond will ich dich wiegen,

bis unter uns der Tag erwacht.

 

Wir werden mit den Nebeln schweben,

bevor der Morgen sie verscheucht.

In Wolkenburgen lass uns leben,

wo keine Sorge uns beschleicht.

 

Dort gilt es, jede Pflicht zu scheuen.

Heut sind wir. Das ist Pflicht genug.

Wer faul ist, ohne zu bereuen,

ist für die Alltagswelt zu klug.

 

Gewitter können uns nicht schrecken,

sind wir doch selbst Naturgewalt,

befugt, den Donnergott zu wecken

und wild zu tanzen, wenn es knallt.

 

Auch Amor ist uns wohlgesonnen.

Wir fliegen immer Hand in Hand,

von blauer Sinnlichkeit umsponnen,

seit Ewigkeiten traumverwandt.

 

Das All gewährt uns jenes Wissen,

das Utopien Macht verleiht.

Sind wir gefeit vor Kompromissen,

erblüh‘n wir zur Unendlichkeit.

 

Dort droben blickt man in die Ferne

und sieht zugleich sein Spiegelbild,

erahnt im Glanz beseelter Sterne,

dass deren Licht auch uns erfüllt.

 

So hoch wir auch gemeinsam steigen -

der Himmel nimmt uns gern in Kauf.

Er hängt ja heute voller Geigen,

spielt nur zu unsrer Freude auf.

 

Wir tragen seine Liebe weiter

und tauchen ineinander ein

und waren nie zuvor bereiter,

für alle Zeit vereint zu sein.

 

Auf Glück gepolt, im Jetzt verwoben -

so dürfen wir uns treiben lassen.

Soll unter uns die Hölle toben.

Uns beide kriegt sie nicht zu fassen.

 

© Marc Andeya-Trefny