Marc Andeya-Trefny: 'Begegnung'

zu Antonin Dvořák: Cellokonzert h-Moll, 2. Satz Adagio

Buntstifte, Rötelstifte, weiß gehöht

Philemon an Baucis

 

Parallelen treffen in der Unendlichkeit aufeinander.

 

Gilt dieser mathematische Satz nicht auch für dich und mich?

 

Zwei wacklige Geraden,

durch glückliche Fügungen zu Parallelen geworden,

suchen wir Seite an Seite

unseren gemeinsamen Weg in die Unendlichkeit.

 

Oft überwand die Nähe dieser Linien zueinander

jegliches Gefühl der Distanz.

Manchmal aber war der Abstand auch erschreckend groß.

 

Mich ängstigen die Veränderungen nicht,

da ich weiß: du bist die unverrückbare Gerade neben mir.

 

Und mag der Raum zwischen uns die Dimension eines Kontinents haben,

oder die eines Sandkorns,

was zählt, ist das Vertrauen in die Unendlichkeit.

 

Denn dort treffen sich täglich aufs Neue unsre Bahnen.

 

© Marc Andeya-Trefny